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Vom politischen Rahmen zur Effizienz im Prozess

Chemieagenda 2045: Präzise Messtechnik als wichtiger Hebel

29.06.2026
von Redaktion INDUSTRIELLE AUTOMATION

Mit der Chemieagenda 2045 setzt die Bundesregierung ein starkes Signal für die Zukunft der Chemieindustrie. Damit Entlastung und langfristiger Wandel ineinandergreifen, braucht es jedoch mehr als politische Rahmenbedingungen. Präzise Messtechnik wird zu einem wichtigen Hebel, um Energieverbräuche sichtbar zu machen und Effizienzpotenziale im Betrieb zu erschließen.

Die Chemieindustrie ist eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft und zugleich eine der energieintensivsten Branchen. Seit Jahren steht sie unter Druck durch hohe Energiepreise, internationalen Wettbewerb und wachsende regulatorische Anforderungen. Mit der Chemieagenda 2045 versucht die Bundesregierung, diese strukturelle Krise in eine gesteuerte Transformation zu überführen. Kurzfristige Entlastungen wie ein subventionierter Industriestrompreis, erweiterte Strompreiskompensation und weniger Bürokratie sollen Zeit verschaffen, während langfristig eine Reform des Emissionshandels, Investitionen in Innovation sowie der Aufbau einer klimaneutralen Chemie den Rahmen für den Wandel setzen.

Emissionshandel: Reform zwischen Entlastung und Preisdruck

Die Chemieindustrie verbraucht rund 35 bis 45 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr und verursacht damit erhebliche Kosten. Gleichzeitig ist langfristig eine weitere Verknappung der Zertifikate vorgesehen, wodurch der Druck zur Emissionsreduktion weiter steigt. Die Chemieagenda 2045 sorgt im Emissionshandel zwar kurzfristig für Entlastung, weil ein verbesserter Schutz vor Carbon-Leakage und mehr kostenlose CO₂-Zertifikate den Zukaufbedarf der Unternehmen verringern, CO₂ bleibt jedoch ein bepreister Faktor und damit ein zentraler Kostenhebel für die Branche. Die Belastung wird gemildert, aber nicht aufgehoben.

Für Chemieanlagen bedeutet das, dass ihre CO₂-Bilanz künftig über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Emissionen werden über Energieeinsatz und Stoffströme ermittelt und hängen damit direkt von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Je teurer CO₂ wird, desto wichtiger werden Transparenz und Effizienz im Prozess. Wer sich darauf frühzeitig vorbereitet und seine Energie- und Stoffströme präzise erfasst, kann Emissionen gezielt steuern und Kosten kontrollieren.

Durch integrierte Diagnosefunktionen macht Heartbeat Technology Abweichungen im Prozess frühzeitig sichtbar und schafft Transparenz über Energie- und Stoffströme.

CO₂ als Medium und als Herausforderung für die Messtechnik

Diese Anforderung trifft auf eine physikalische Realität, die alles andere als trivial ist. CO₂ ist kein einfach zu handhabendes Medium, insbesondere nicht unter den Bedingungen industrieller Prozesse. Abhängig von Druck und Temperatur kann es in unterschiedlichen Aggregatzuständen auftreten und seine Eigenschaften mitunter abrupt verändern. Besonders kritisch ist der Bereich nahe dem kritischen Punkt, in dem CO₂ weder eindeutig gasförmig noch flüssig ist und sich sein Strömungsverhalten hochsensibel verändert.

Für die Messtechnik bedeutet das, dass klassische Verfahren schnell an ihre Grenzen stoßen. Systeme müssen nicht nur exakt messen, sondern auch unter dynamischen und teilweise instabilen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Diese physikalische Komplexität hat unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen. In Anlagen, die jährlich Hunderttausende Tonnen CO₂ verarbeiten oder transportieren, können bereits kleinste Messabweichungen erhebliche finanzielle Verluste verursachen. Ein Messfehler von nur einem Prozent kann sich bei entsprechenden Mengen und aktuellen CO₂-Preisen schnell zu sechsstelligen Beträgen summieren.

Coriolis-Technologie als Antwort auf steigende Anforderungen

Vor diesem Hintergrund hat sich die Coriolis-Durchflussmessung von Endress+Hauser als eine der zentralen Technologien etabliert, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Das physikalische Prinzip ermöglicht eine direkte Bestimmung des Massendurchflusses, indem die Kräfte gemessen werden, die durch die Bewegung eines Mediums in einem schwingenden Rohr entstehen. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass diese Messung weitgehend unabhängig von Druck, Temperatur und Aggregatzustand ist. Selbst komplexe Strömungszustände wie Zweiphasenströmungen werden erkannt und in vielen Fällen kompensiert.

Von der Messung zur Transparenz: Daten als operative Grundlage

Mit der steigenden Bedeutung von Energieeffizienz und Emissionskontrolle verändert sich auch die Rolle der Messtechnik selbst. Sie ist längst nicht mehr nur ein Instrument zur Erfassung einzelner Werte, sondern entwickelt sich zu einer zentralen Informationsquelle für den gesamten Betrieb. Durch das Designkonzept Heartbeat Technology ist eine kontinuierliche Selbstüberwachung möglich, die Abweichungen frühzeitig erkennt und Diagnosedaten in Echtzeit liefert.

Diese Daten lassen sich in digitale Leitsysteme integrieren und mit anderen Prozessparametern verknüpfen. So entsteht Transparenz über Energie- und Stoffströme und damit die Grundlage, um Effizienzvorgaben aus der Chemieagenda im Betrieb tatsächlich umzusetzen.

Präzise Messtechnik wird zu einem wichtigen Hebel, um Energieverbräuche sichtbar zu machen und Effizienzpotenziale im Betrieb zu erschließen.

Effizienz beginnt im Detail: Verborgene Einsparpotenziale erschließen

Wer Messtechnik gezielt und smart einsetzt, entdeckt häufig Einsparpotenziale, die zuvor gar nicht sichtbar waren – etwa in Hilfskreisläufen, die große Energiemengen verbrauchen, aber selten im Fokus stehen. In der Praxis zeigen sich diese Potenziale beispielsweise bei Kesselsystemen, deren Effizienz stark vom Trockenheitsgrad des Dampfes abhängt, bei Druckluftanlagen, in denen Leckagen und Abwärmeverluste oft unbemerkt bleiben, oder in Heiz- und Kühlsystemen, die im Teillastbetrieb ineffizient laufen. Durch die präzise Erfassung und Auswertung dieser Prozesse lassen sich Energieverluste gezielt identifizieren und reduzieren. Häufig mit Einsparungen von bis zu 15 Prozent.

Messtechnik wird damit zur unsichtbaren Infrastruktur der Transformation. Sie verbindet politische Zielsetzungen mit industrieller Praxis, macht Einsparpotenziale greifbar und schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen. In einer Branche, in der Energie und Emissionen zunehmend zum Kostenfaktor werden, ist sie nicht länger nur ein technisches Detail, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor.

Autor: Andreas Leppert, Industry Manager Chemical & Oil, Endress+Hauser

Bildquelle: Endress+Hauser

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