Die Taiwanesische Werkzeugmaschinenindustrie hat sich im Weltmarkt fest etabliert. Dazu zählt auch das Unternehmen Wele. In einem Interview wollen wir herausfinden, was hinter den Hochleistungswerkzeugmaschinen steckt, welche Trends uns begegnen und warum sich eine Zusammenarbeit mit europäischen Partnern lohnt.
Nicole Steinicke: Herr Loo, was macht das Unternehmen Wele für den europäischen Markt so interessant?

Wele zeigte auf der EMO 2025 das 5-Achs-Bearbeitungszentrum UG630
Eric W. S. Loo: Wele bietet eine breite Palette an Hochleistungswerkzeugmaschinen, die ideal für komplexe Bearbeitungsanforderungen sind. Sie erhöhen die Produktivität der Fertigung, sind IoT-fähig und energieeffizient. Unsere Stärke sehen wir in unserem variantenreichen Portfolio an Maschinen, die von kleinen (500 mm in der Achse) bis zu großen Modellen (bis zu 20 m) reichen. Dazu zählen 5-Achs-Maschinen, Horizontalmaschinen bis hin zu Vertikaldrehmaschinen. Damit bedienen wir nahezu jede Anforderung und können uns gleichzeitig in einem kostensensitiven Markt flexibel nach individuellen Bedürfnissen richten.
Unser Managementteam stammt aus dem Mechanischen Forschungsinstitut in Taiwan und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Werkzeugmaschinenbranche. Genau das spiegelt sich auch in unseren Entwicklungen wider.
Nicole Steinicke: Welche Rolle spielen internationale Messen wie die EMO Hannover 2025 für Wele?
Eric W. S. Loo: Primär präsentieren wir uns auf einer international relevanten Messe in Deutschland, um uns mit unserem europäischen Vertrieb auszutauschen. Wir sprechen über Markttrends, Anforderungen und neue Lösungen für die moderne Industrie. Wir sehen es als essenziell an, mit unseren Kunden, aber auch mit unseren Mitbewerbern auf Augenhöhe zu bleiben. Die Messe EMO bietet dafür die passende Plattform.
Nicole Steinicke: Wie weit sind Ihre Maschinen in Bezug auf Automatisierung, Digitalisierung und KI-Integration?
Eric W. S. Loo: Zukunftsfähige Werkzeugmaschinen müssen den Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Industrie gerecht werden. Das bedeutet: hohe Robustheit, maximale Flexibilität und nahtlose Vernetzbarkeit. Neben Konstruktion und Engineering rückt die Software-Komponente immer stärker in den Fokus – sie wird zum zentralen Enabler für Effizienz und Intelligenz im System. Wir sehen die Lösung in einem klaren Zusammenspiel von Hardware, Technologie und Software.
Gerade mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel gewinnt die Automatisierung weiter an Bedeutung – und damit auch der Einsatz intelligenter Systeme, etwa durch KI und adaptive Steuerungen. Nur wer diesen Dreiklang beherrscht, kann in einem dynamischen Marktumfeld nachhaltig bestehen.
Nicole Steinicke: Wo sehen Sie die Trends der Zukunft?
Eric W. S. Loo: Aktuell sehen wir in der Werkzeugmaschinenindustrie einige sehr spannende Entwicklungen. Ein zentraler Trend ist die zunehmende Digitalisierung. Maschinen werden intelligenter, vernetzt und liefern Echtzeitdaten, die uns helfen, Prozesse transparenter und effizienter zu gestalten.
Ein weiterer Punkt ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz – zum Beispiel zur Optimierung von Bearbeitungsprozessen. Dadurch wird die Produktion nicht nur zuverlässiger, sondern auch wirtschaftlicher.
Kunden erwarten heute maßgeschneiderte Lösungen, schnelle Umrüstzeiten und höchste Präzision. Darauf müssen wir als Branche mit innovativen, adaptiven Maschinenkonzepten reagieren.
Auch Nachhaltigkeitsaspekte rücken immer stärker in den Fokus. Energieeffiziente Maschinen und umweltschonende Kühlschmierstoffe werden zunehmend zum Standard. Und natürlich spielt auch Flexibilität eine große Rolle: Kunden erwarten heute maßgeschneiderte Lösungen, schnelle Umrüstzeiten und höchste Präzision. Darauf müssen wir als Branche mit innovativen, adaptiven Maschinenkonzepten reagieren.
Nicole Steinicke: Lassen sich in der Zusammenarbeit mit europäischen Firmen aus Ihrer Sicht Synergien nutzen?
Eric W. S. Loo: Ich sehe großes Potenzial in einer Zusammenarbeit zwischen taiwanesischen und deutschen / europäischen Werkzeugmaschinen-Herstellern. Taiwan bringt enorme Stärken in der schnellen, flexiblen Fertigung, im Preis-Leistungs-Verhältnis und zunehmend auch im Bereich Elektronik und Automatisierung mit. Deutsche Unternehmen wiederum sind bekannt für höchste Präzision, Ingenieurskunst und Innovation – gerade im High-End-Bereich.
Eine Kooperation kann hier echte Synergien schaffen: Taiwan könnte von deutschem Know-how in Qualitätssicherung, Prozessintegration und Hochtechnologie profitieren, während deutsche Unternehmen Zugang zu wettbewerbsfähigen Produktionskapazitäten, kürzeren Time-to-Market-Zyklen und neuen asiatischen Absatzmärkten erhalten.
Bild oben: Nicole Steinicke, Chefredakteurin Der Konstrukteur, im Gespräch mit Eric W. S. Loo, Director Business Planning & Overseas Sales & Marketing Div., Wele Group, Taiwan
Bilder: Vereinigte Fachverlage
Das Interview ist auch in Ausgabe 08/2025 der Fachzeitschrift Der Konstrukteur erschienen, S. 24.






