Automatisierung zum Anfassen: Der Automatisierungstreff 2026 zeigte erneut, wie praxisnah sich aktuelle Technologien rund um KI, IIoT, industrielle Kommunikation und Cybersecurity vermitteln lassen. In interaktiven Workshops testeten die Teilnehmer Lösungen direkt an Hard- und Software und diskutierten ihre konkreten Anwendungsfälle mit den Experten.
Am 16. und 17. Juni 2026 wurde das WTZ-Tagungszentrum in Heilbronn erneut zum Treffpunkt für Anwender, Entwickler und Entscheider aus Automatisierung und industrieller IT. Der Automatisierungstreff 2026 blieb seinem bewährten Konzept treu und verstand sich dabei einmal mehr als praxisorientierte Ergänzung zu klassischen Messeformaten: Im Mittelpunkt standen praxisnahe Anwender-Workshops, in denen die Teilnehmer selbst Hand anlegen konnten.
Ein Format, das den Anwender ernst nimmt
Die digitale Transformation hat in den Industrieunternehmen längst einen festen Platz. Doch die Wege dorthin sind vielfältig und mit offenen Fragen gepflastert: Wo fängt man an? Welche Technologien passen zum eigenen Betrieb? Und wer unterstützt bei der Umsetzung? Genau hier setzte der Automatisierungstreff an. In den ganztägigen Workshops arbeiteten die Teilnehmer aktiv mit der bereitgestellten Hard- und Software, erprobten Lösungen unmittelbar vor Ort und klärten offene Punkte im Gespräch mit den Fachleuten der Anbieter. Das Motto der Veranstaltung „Anfassen. Ausprobieren. Anwenden.“ war dabei mehr als ein Werbeslogan: Es beschrieb präzise den Charakter der beiden Tage.
Thematisch spannte das Programm den Bogen über die zentralen Schlüsseltechnologien von Industrie 4.0 und Industrial Internet of Things (IIoT): Künstliche Intelligenz und Machine Learning, Edge- und Cloud-Computing, Digital Twins, Predictive Maintenance, industrielle Kommunikation, Sensorik sowie Sicherheit und Compliance.
Künstliche Intelligenz zieht ins Engineering ein
Deutlich sichtbar war 2026 vor allem ein Trend: Künstliche Intelligenz verlässt das Stadium der Absichtserklärungen und hält Einzug in die konkreten Werkzeuge des Automatisierers. So zeigte die Codesys GmbH in ihrem Workshop „Codesys Engineering mit KI-Unterstützung“, wie sich die SPS-Programmierung in der IEC-61131-3-konformen Entwicklungsumgebung durch KI-Assistenz beschleunigen lässt. Aptean führte unter dem Titel „MES meets AI: Dein digitaler Co-Worker in der Fertigung“ vor, wie KI-Funktionen in das Manufacturing Execution System einziehen und Werker wie Planer im Fertigungsalltag entlasten. Das Fraunhofer IOSB wiederum adressierte mit seinem Workshop zur professionellen Planung und zum Management von KI-Projekten eine der größten Hürden in der Praxis: Viele KI-Initiativen scheitern nicht an der Technologie, sondern an fehlender Projektmethodik.

Im Workshop von Codesys erfuhren die Teilnehmer, welche Vorteile KI-Unterstützung im Engineering bietet
Cybersecurity: Der Cyber Resilience Act wirft seine Schatten voraus
Ein zweites Schwerpunktthema, das den Nerv der Besucher traf, war die regulatorisch getriebene Cybersicherheit. Bihl+Wiedemann machte mit der „Cyber Resilience Act (CRA) Tour 2026″ Station in Heilbronn und erläuterte Maschinen- und Anlagenbauern, wie sie ihre Produkte fit für die Anforderungen der neuen EU-Verordnung machen. Dass Security und funktionale Sicherheit keine lästige Pflicht, sondern integraler Bestandteil moderner Automatisierungsarchitekturen sind, zog sich als roter Faden durch das gesamte Programm.

Bihl+Wiedemann erläuterte in seinem Workshop, wie sich zukunftssichere Maschinen und Anlagen komfortabel gestalten lassen
Von der Feldebene bis zum MES: Durchgängigkeit in der Praxis
Auch die klassischen Automatisierungsdisziplinen kamen nicht zu kurz. Baumer präsentierte smarte 2D-Profilsensoren als „Schweizer Taschenmesser der Sensorik“ und ließ die Teilnehmer die vielseitigen Messkünste der Geräte live erleben. Die U.I. Lapp GmbH nahm den Besuchern in dem Workshop „Industrielle Glasfasertechnik – Keine Angst vor LWL“ die Berührungsängste vor der Lichtwellenleitertechnik ab – ein Thema, das mit steigenden Datenraten in der vernetzten Fabrik zunehmend an Relevanz gewinnt. B&R Industrie Elektronik schlug mit „Mechatronische Technologien: Von der Simulation zur perfekten Automatisierung“ die Brücke vom digitalen Zwilling zur realen Maschine.

Im Workshop über Glasfasertechnik nahmen die Referenten von Lapp den Teilnehmern die Hemmnisse rund um Lichtwellenleiter-Technik
Im Bereich der industriellen Kommunikation informierte die CC-Link Partner Association (CLPA) an beiden Tagen in flexiblen Zeitslots über CC-Link IE TSN – und damit über das Zusammenspiel von Gigabit-Bandbreite und Echtzeitfähigkeit auf Basis von Time-Sensitive Networking.
Wie Maschinendaten in konkreten Mehrwert übersetzt werden, zeigten gleich mehrere Anbieter: BE.services stellte mit der Edge-KI-Lösung Coligo die Datenauswertung in Echtzeit an bestehenden Anlagen in den Fokus, während die in.hub GmbH aus Chemnitz unter dem selbstbewussten Titel „Ohne Code, ohne Cloud, ohne Stress“ nachrüstbare Lösungen für die niederschwellige Maschinendigitalisierung präsentierte. Der MES D.A.CH Verband bündelte gemeinsam mit Aptean, dem Fraunhofer IOSB und der HIR GmbH im Workshop „From Data to Action: Smart Manufacturing in der Praxis“ die Perspektiven von Verband, Softwareanbieter, Forschung und Beratung – ergänzt um die Frage der HIR GmbH, wie das „Smart“ eigentlich in die Factory kommt.
Innovation-Café: Networking auf Augenhöhe
Parallel zu den Workshops bot das Innovation-Café den Rahmen für den informellen Austausch. In entspannter Atmosphäre kamen Besucher mit den Fachleuten der ausstellenden Unternehmen ins Gespräch – über aktuelle Trends in Automatisierung, IIoT, KI und IT-Security, von IO-Link-Integrationskonzepten über feldbusunabhängige ASi-5-Lösungen bis hin zu leistungsfähigen industriellen Netzwerkinfrastrukturen.

Reger Austausch auf dem Innovation-Café
Fazit: Zufriedene Gesichter auf allen Seiten
Am Ende der beiden Veranstaltungstage fiel die Bilanz durchweg positiv aus: bei Teilnehmern, und Ausrichter gleichermaßen. Die Besucher lobten insbesondere die Praxisnähe der Workshops und die Möglichkeit, Fragestellungen aus dem eigenen Betrieb unmittelbar mit den Referenten zu erörtern. Intensive, teils weit über die geplanten Zeitfenster hinausgehende Fachdiskussionen prägten das Bild – sowohl in den Workshop-Räumen als auch im Innovation-Café, wo vor allem während dem gemeinsamen Frühstück Kontakte geknüpft und so mancher Grundstein für künftige Projekte gelegt wurde.
Auch die ausrichtenden Unternehmen zeigten sich mit der Qualität der Begegnungen sehr zufrieden: Wer nach Heilbronn kommt, bringt handfeste Aufgabenstellungen mit und entsprechend hoch war die Gesprächstiefe. Der Veranstalter sieht sich damit in seinem Konzept bestätigt, auf Klasse statt Masse zu setzen und dem persönlichen, fachlichen Austausch den Vorrang vor reiner Produktschau zu geben.
Inhaltlich dürften die Schwerpunkte des Jahres wie KI im Engineering und in der Fertigung, der Cyber Resilience Act sowie die durchgängige Datennutzung von der Feldebene bis zum MES – die Branche auch in den kommenden Monaten beschäftigen.
Die Fortsetzung ist bereits terminiert: Der Automatisierungstreff 2027 findet am 14. und 15. April 2027 wieder im WTZ-Tagungszentrum Heilbronn statt.
Weitere Informationen unter:
Text-/Bildquelle: Strobl GmbH






