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Sensor +Test 2026

Expertengespräch: zwischen KI, Technik und Wissenstransfer

26.05.2026
von Nicole Steinicke

Die Fachmesse SENSOR+TEST gilt seit Jahren als wichtiger Treffpunkt der Branche, wenn es um neue Entwicklungen der Sensorik-, Mess- und Prüftechnik geht. Chefredakteurin Nicole Steinicke im Gespräch mit Elena Schultz, Geschäftsführerin AMA Service über aktuelle Trends, Perspektiven und warum sich ein Besuch lohnt.

Vom 9. bis 11. Juni 2026 trifft sich die internationale Sensorik-, Mess- und Prüftechnikbranche erneut in Nürnberg zur SENSOR+TEST. Die Fachmesse gilt seit Jahren als wichtiger Treffpunkt für Entwickler, Ingenieure, Wissenschaftler und industrielle Anwender, wenn es um neue Technologien, praxisnahe Anwendungen und den Austausch über zukünftige Entwicklungen geht. Neben der Ausstellung stehen vor allem die hochkarätigen Fachforen, Sonderbereiche und wissenschaftlichen Kongresse im Mittelpunkt, die aktuelle Themen wie KI-gestützte Messtechnik, Condition Monitoring oder digitale Kalibrierung aufgreifen. Über die Bedeutung der Messe, technologische Trends und die Rolle des Wissenstransfers sprach Chefredakteurin Nicole Steinicke mit Elena Schultz, Geschäftsführerin der AMA Service GmbH.

Nicole Steinicke: Die SENSOR+TEST versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft. Welche konkreten Innovationen oder Technologietrends erwarten Sie 2026 besonders im Zusammenspiel von Sensorik, KI und Messtechnik?

Elena Schultz: Wir erleben derzeit keinen klassischen Technologiesprung – sondern eine Phase technologischer Konvergenz. Sensorik, Messtechnik, Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz wachsen zunehmend zu integrierten Systemen zusammen. Sensoren liefern nicht mehr nur Messwerte – sie werden zu intelligenten Schnittstellen zwischen physischer und digitaler Welt. Besonders dynamisch entwickeln sich drei Felder: erstens KI-gestützte Mess- und Prüfsysteme, zweitens Edge Computing als Voraussetzung für Echtzeitfähigkeit und Datensouveränität, und drittens intelligente Sensorsysteme mit integrierter Vorverarbeitung und Kontextfähigkeit. Dabei verändert KI nicht nur die Auswertung – sondern bereits die Anforderungen an die Datenerzeugung selbst. Datenqualität, Synchronisation, Kalibrierung und Rückführbarkeit werden zu strategischen Faktoren. Die industrielle Zukunft entscheidet sich nicht allein in Algorithmen – sondern in der Qualität der Datenbasis.

„Je komplexer Technologien werden, desto wertvoller werden Orte, an denen Wissen eingeordnet, Innovationen diskutiert und Vertrauen aufgebaut wird. Genau darin liegt die Zukunft spezialisierter Fachmessen, wie die SENSOR+TEST“, bringt Elena Schultz auf den Punkt.

 

Nicole Steinicke: Mit der „Calibration Area“ und der „Condition Monitoring Area“ rücken zwei sehr praxisrelevante Themen in den Fokus. Welche Herausforderungen beschäftigen Unternehmen aktuell – und welche Lösungen werden sichtbar?

Elena Schultz: Unternehmen stehen heute vor einer zentralen Herausforderung: Sie müssen Prozesse gleichzeitig effizienter, resilienter und belastbarer machen. Condition Monitoring entwickelt sich deshalb vom Wartungsthema zum strategischen Steuerungsinstrument. Ziel ist längst nicht mehr nur Fehlererkennung – sondern vorausschauende Betriebsoptimierung. Parallel verändert sich auch die Kalibrierung grundlegend. Digitale Kalibrierketten, automatisierte Verfahren und rückführbare Zertifikate gewinnen erheblich an Bedeutung – insbesondere in regulierten Industrien. Beide Themen zeigen sehr deutlich: Industrie sucht heute weniger Einzelprodukte als belastbare Systemlösungen. Die SENSOR+TEST macht diese Entwicklung sichtbar – nicht abstrakt, sondern an konkreten Anwendungen.

Nicole Steinicke: Das Fachforum setzt stark auf „Know-how to go“ und direkten Dialog. Wie wichtig ist dieser niedrigschwellige Wissenstransfer heute im Vergleich zu klassischen Konferenzformaten?

Elena Schultz: Wissen ist heute nahezu unbegrenzt verfügbar. Orientierung dagegen wird knapper. Gerade deshalb gewinnen Formate an Bedeutung, die technologische Tiefe mit Effizienz verbinden. Das offene Forum schafft einen schnellen Zugang zu aktuellen Entwicklungen – kompakt, anwendungsnah und mit unmittelbarem Austausch. Für Ingenieure und Entwickler geht es heute nicht mehr darum, möglichst viele Informationen zu konsumieren – sondern relevante Entwicklungen schneller einordnen zu können. Deshalb sehen wir kein Entweder- oder zwischen Forum und Konferenz. Beides erfüllt unterschiedliche Funktionen: Fachkongresse schaffen Tiefe. Dialogformate schaffen Geschwindigkeit. Die Kombination macht den Unterschied.

Vom 9. bis 11. Juni treffen technologische Innovationen, industrielle Praxis und wissenschaftlicher Austausch aufeinander.

Nicole Steinicke: Künstliche Intelligenz spielt inzwischen auch in der Sensorik und Messtechnik eine immer größere Rolle. Wo sehen Sie die größten Potenziale – und wo besteht noch Klärungsbedarf?

Elena Schultz: Das größte Potenzial liegt in der Verbindung aus Präzision und Skalierbarkeit. KI ermöglicht neue Ansätze in Fehlererkennung, Musteranalyse, Prozessoptimierung und Zustandsbewertung. Gerade dort, wo große Datenmengen in Echtzeit interpretiert werden müssen, entstehen enorme Effizienzgewinne. Gleichzeitig stehen wir erst am Anfang. Normung, Validierung, Transparenz und Nachvollziehbarkeit werden in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Gerade im industriellen Umfeld reicht hohe Performance allein nicht aus. Entscheidend sind Vertrauen, Reproduzierbarkeit und belastbare Ergebnisse. Die Zukunft gehört deshalb nicht autonomer Technologie – sondern verantwortungsvoll integrierten Systemen.

Nicole Steinicke: Die ETTC und die ITG/GMA-Fachtagung ergänzen die Messe um eine internationale und wissenschaftliche Perspektive. Welche Impulse erwarten Sie aus Forschung und Entwicklung?

Elena Schultz: Diese Verbindung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor der SENSOR+TEST. Wir beobachten aktuell eine stärkere Annäherung zwischen Forschung und industrieller Umsetzung. Themen wie Telemetrie, verteilte Messsysteme, Sensorfusion, Edge-Architekturen oder digitale Metrologie verlassen zunehmend das Labor und werden industriell relevant. Gerade Forschung liefert heute nicht nur neue Technologien – sondern neue Denkmodelle. Für die Industrie wird entscheidend sein, Innovation schneller in marktfähige Lösungen zu überführen. Die Kongresse schaffen genau diese Brücke.

„In einer komplexen Welt wird persönlicher Austausch zum entscheidenden Innovationstreiber“

Nicole Steinicke: Die SENSOR+TEST lebt vom persönlichen Austausch vor Ort, bietet aber gleichzeitig Livestreams und digitale Inhalte an. Wie verändert diese hybride Ausrichtung die Rolle einer internationalen Fachmesse?

Elena Schultz: Digitale Formate verändern Fachmessen – sie ersetzen sie nicht. Information ist heute jederzeit verfügbar. Was nicht digitalisiert werden kann, sind Vertrauen, Kontext und belastbare Begegnungen. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten beobachten wir einen interessanten Effekt: Unternehmen investieren selektiver – und legen gleichzeitig mehr Wert auf hochwertige persönliche Kontakte. Deshalb gewinnen spezialisierte Fachmessen an Bedeutung. Die Zukunft gehört hybriden Branchenplattformen: digital vorbereitet, vor Ort vertieft, und langfristig vernetzt. Persönlicher Austausch bleibt der wichtigste Innovationstreiber.

Nicole Steinicke: Die SENSOR+TEST verbindet Ausstellung, Fachforen und wissenschaftliche Kongresse. Warum lohnt sich der Besuch gerade für Ingenieure, Entwickler und technische Entscheider?

Elena Schultz: Weil Komplexität heute nicht mehr durch Einzelinformationen beherrschbar ist. Die Stärke der SENSOR+TEST liegt darin, technologische Entwicklungen in einen Zusammenhang zu bringen. Besucher erleben nicht einzelne Produkte – sondern komplette Wertschöpfungsketten: von Sensorik über Messtechnik und Datenverarbeitung bis zur industriellen Anwendung. Was man online nicht bekommt, ist Einordnung. Man bekommt keinen direkten Vergleich. Keine spontanen Gespräche. Keine Diskussion mit Entwicklern. Keine technische Tiefe im unmittelbaren Austausch. Und genau deshalb werden spezialisierte Fachmessen künftig nicht an Bedeutung verlieren –
sie werden an Relevanz gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nützliche Infos

Tickets für die SENSOR+TEST 2026 sind im Online-Ticketshop erhältlich (www.sensor-test.de/de/besucher/ihr-messe-ticket). Besucher profitieren damit nicht nur von einem einfachen Zugang zur Messe, sondern auch von einem umfassenden Programm voller Impulse, Kontakte und neuer Perspektiven.

Text: Nicole Steinicke, Vereinigte Fachverlage / AMA Service GmbH
Bilder: AMA Service GmbH

 

 

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