Die internationale Bildverarbeitungsbranche trifft sich im Oktober auf der VISION in Stuttgart. Im Fokus: KI, Deep Learning und Spectral Imaging sowie praxisnahe Anwendungen. Im Interview spricht VISION-Projektleiter Florian Niethammer über die wichtigsten Trends und warum sich ein Messebesuch gerade jetzt lohnt.
Die VISION findet vom 6. bis 8. Oktober 2026 auf dem Messegelände Stuttgart statt. Sie gilt als Weltleitmesse für Bildverarbeitung und zieht Unternehmen und Experten aus aller Welt an. Erwartet werden rund 500 Aussteller aus über 65 Ländern – von globalen Key Playern bis zu dynamischen Start-ups. In drei kompakten Tagen erleben Besucher das komplette Spektrum der Machine Vision: Kameras, Optiken, Beleuchtung, Software, Embedded Vision, Hyperspectral Imaging, Deep Learning, KI-basierte Auswertung und schlüsselfertige Systeme für Automotive, Maschinenbau, Logistik, Elektronikfertigung, Medizintechnik und viele weitere Branchen. Florian Niethammer, Projektleiter der VISION bei der Messe Stuttgart, spricht im Interview mit Chefredakteurin Nicole Steinicke über technologische Trends und neue Zielmärkte.

Nicole Steinicke: Was sind die Highlights der diesjährigen VISION, die Besucher auf keinen Fall verpassen sollten? Und warum lohnt sich ein Besuch?
Florian Niethammer: Das größte Highlight sind natürlich unsere Aussteller. Die Bildverarbeitungsbranche entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Einige Unternehmen gehen in größeren Konzernen auf, gleichzeitig kommen viele neue Player hinzu – insbesondere innovative Start-ups aus den Bereichen KI und Deep Learning. Genau diese Dynamik spiegelt die VISION wider und eröffnet Besuchern damit nicht nur einen Einblick in diese spannende Themenwelt, sondern auch die Möglichkeit sich mit Experten über neuen Technologien und Anwendungsfelder auszutauschen.
Zudem erleben wir derzeit, dass Anwendungen durch Künstliche Intelligenz lösbar werden, die vor wenigen Jahren noch kaum denkbar waren. Gleichzeitig gewinnt das Thema Spectral Imaging stark an Bedeutung – also Bildverarbeitung außerhalb des für das menschliche Auge sichtbaren Spektrums. Hier sehen wir enormes Potenzial, da diese Technologien zunehmend wirtschaftlicher werden und sich dadurch ganz neue Einsatzfelder erschließen. Dazu zählen Anwendungen in Bereichen wie Recycling, Circular Economy oder Agriculture. Dort entstehen aktuell Märkte, die bislang wirtschaftlich kaum realisierbar waren. Auch ist die VISION dafür bekannt, die gesamte Bandbreite der industriellen Bildverarbeitung abzubilden – von Kameras und Software über Optiken und Framegrabber bis hin zu schlüsselfertigen Systemlösungen. Gerade letzteres wird für viele Unternehme und Besucher immer wichtiger. All das lässt sich auf der VISION live und in Farbe erleben.
Nicole Steinicke: Forschung gilt auch in der Bildverarbeitung als Innovationstreiber. Werden auch Institute und Forschungsgesellschaften auf der Messe vertreten sein?
Florian Niethammer: Ja, auf jeden Fall. Forschung und industrielle Anwendung gehören eng zusammen. Gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology veranstalten wir beispielsweise erneut die „Scientific Vision Days“. Dort erhalten Forschungsinstitute eine Bühne, um aktuelle Entwicklungen und State-of-the-art-Technologien vorzustellen.
Zusätzlich organisieren wir gemeinsam mit zwei Fraunhofer-Instituten erstmals das „Synthetic Data Symposium“. Dabei geht es um eine der zentralen Herausforderungen im Bereich KI und Machine Vision: Trainingsdaten. Häufig existieren diese Daten in der Realität nicht in ausreichender Form und müssen daher künstlich erzeugt werden. Diesem Zukunftsthema widmen wir ein eigenes Fachprogramm. Darüber hinaus präsentieren sich auch zahlreiche Forschungseinrichtungen direkt auf der Messe.
Nicole Steinicke: Wie hat sich das Themenspektrum der Messe in den vergangenen Jahren verändert, insbesondere im Hinblick auf KI-Applikationen?
Florian Niethammer: An Künstlicher Intelligenz kommt heute niemand mehr vorbei. Gleichzeitig ist KI nicht automatisch die Lösung für jede Anwendung. Viele Aufgaben lassen sich nach wie vor mit klassischen Algorithmen effizienter lösen. Ich sehe KI deshalb vor allem als enorme Erweiterung der Möglichkeiten. Sie eröffnet neue Lösungsansätze und schafft zusätzliche Anwendungen, ersetzt aber nicht sämtliche bestehenden Technologien. Natürlich zieht das Thema aktuell sehr viel Aufmerksamkeit auf sich – auch von Investorenseite. Dadurch entsteht eine sehr agile Start-up-Landschaft, und genau diese Entwicklung bildet sich auf der VISION deutlich ab.
Nicole Steinicke: Was bieten Sie Besuchern, die erstmals zur VISION kommen und in dieser Themenwelt noch neu sind?
Florian Niethammer: Gerade für Neueinsteiger haben wir ein sehr spannendes Angebot: unsere Guided Tours. Dabei konzentrieren wir uns gezielt auf bestimmte Vertikalmärkte, die aktuell besonders großes Potenzial für die Bildverarbeitung bieten. In diesem Jahr stehen unter anderem die Bereiche Semiconductors & Electronics, Aerospace & Defense sowie Automotive & Battery Manufacturing im Fokus. Die Führungen richten sich speziell an Besucher, die noch wenig Erfahrung mit industrieller Bildverarbeitung haben. Sie erhalten dadurch eine Art Crashkurs direkt auf der Messe und bekommen Orientierung in einem sehr komplexen Technologiefeld. Zu jeder Tour gehören zwölf ausgewählte Unternehmen. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Aussteller konkrete Lösungen oder Anwendungen für die jeweilige Zielbranche präsentieren. Dadurch stellen wir sicher, dass die Besucher wirklich relevante Inhalte und praxisnahe Einblicke erhalten.
Nicole Steinicke: Wie beurteilen Sie die internationale Wettbewerbssituation für deutsche und europäische Anbieter?
Florian Niethammer: Natürlich sehen wir auch in der Bildverarbeitung, dass Unternehmen aus Asien – insbesondere aus China – technologisch stark aufgeholt haben und mit attraktiven Preisen auf den europäischen Markt drängen. Gleichzeitig haben europäische Anbieter klare Stärken: Kundennähe und -vertrauen, Servicequalität und langfristige Lieferfähigkeit spielen gerade im industriellen Umfeld eine entscheidende Rolle. Maschinenbauer müssen sicher sein, dass verbaute Komponenten auch in vielen Jahren noch verfügbar sind. Hinzu kommen Themen wie Cybersecurity und der Cyber Resilience Act. Europäische Produkte erfüllen hier oft besonders hohe Standards. Das sind wesentliche Alleinstellungsmerkmale, die die Wettbewerbssituation deutscher und europäischer Anbieter stärken.
Vier Messen, die sich lohnen
Die VISION findet vom 6. bis 8. Oktober 2026 auf dem Messegelände Stuttgart statt. Parallel finden die Veranstaltungen Motek/Bondexpo, die EFX – Expo for Electronics Manufacturing und die Quantum Effects statt. Die EFX ist das neue Branchenevent für Elektronikfertigung und zeigt Trends und Technologien rund um die Produktion von Elektronikbauteilen. Die Quantum Effects als Fachmesse und Konferenz für Quantentechnologien schlägt die Brücke zwischen Wissenschaft, Start-ups und Wirtschaft. Sie macht innovative Quantentechnologien sichtbar und fördert den Aufbau eines europäischen Ökosystems.
Hauptbild: Chefredakteurin Nicole Steinicke im Gespräch mit Florian Niethammer, Projektleiter der Messe Vision
Text: Das Interview führte Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke, Chefredakteurin Industrielle Automation
Bilder: Messe Stuttgart






