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Sensorik für die Pharma- und Medizinindustrie

Leuze löst neue Annex-1-Herausforderung

24.08.2026
von Redaktion INDUSTRIELLE AUTOMATION

Die neuen Annex 1-Anforderungen machen eine durchdachte Auswahl und Integration der Sensorik für Prozesse in der Pharma- und Medizinindustrie unverzichtbar. Leuze bietet mit optischen Tastern auf Time-of-Flight-Basis eine Lösung, die den geforderten Anforderungen gerecht wird.

Annex 1: Wichtige Änderungen im Überblick

1. Sterilisation wird strenger gehandhabt

Der Begriff „Sterilisation“ wird enger gefasst: Nicht jede Entkeimung oder Dekontamination zählt als Sterilisation. Stattdessen sind sterile Verfahren erforderlich (keine nachweisbaren lebenden Mikroorganismen vorhanden). Für indirekte und First-Air-unterbrechende Kontaktteile gilt: Sie sind wie direkte Teile zu behandeln, wenn sie Teil der kritischen sterilen Umgebung sind.

2. Pflicht zur penetrativen Sterilisation aller Kontaktteile

Nicht nur direkt und indirekt produktberührende Teile sollten sterilisiert werden. Neu ist: Dies gilt nun auch für First-Air-unterbrechende Kontaktteile. Das sind indirekte Kontaktteile, die den Luftstrom unterbrechen können – dies betrifft Bauteile oberhalb der sterilen Komponenten und Produkte, etwa Sensoren. Eine Ausnahme ist möglich, wenn eine Risikoanalyse im Rahmen der Contamination Control Strategy (CCS) belegt, dass Reinigung oder Dekontamination ausreichend sind und kein Kontaminationsrisiko besteht.

3. Höhere Anforderungen an die Sterilisationsmethode

Die Sterilisation muss validiert sein. Für indirekte und First-Air-unterbrechende Teile gilt: Das Verfahren muss gleichwertig zu den für direkte Teile akzeptierten Methoden sein – in Frage kommen etwa penetrative Sterilisationsverfahren wie Autoklavieren, feuchte oder trockene Hitze, Gammastrahlung oder Ethylenoxid. Direkte und indirekte Kontaktteile sowie First Air unterbrechende Bauteile werden nach Annex 1 als „kritische Oberflächen“ („critical surfaces“) eingestuft und müssen somit sterilisiert werden. Oberflächendekontamination, VHP-basierte Verfahren oder Dampfdesinfektion sind nur zulässig, wenn Nachweise oder Risikoanalysen belegen, dass diese Methoden ausreichen. VHP-basierte Verfahren gelten in der Regel als Dekontamination und nicht als Sterilisation, vor allem bei geschlossenen oder schwer zugänglichen Oberflächen.

4. Umfassendere Risikoanalyse und Dokumentation

Es muss dokumentiert werden, warum und wie indirekte Kontaktteile sterilisiert werden. Die Risikoabschätzung muss zeigen, wie kritisch der Kontakt ist und welchen Einfluss er auf die Produktsterilität hat. Zudem steigen die Anforderungen bezüglich Kontrolle und Monitoring – besonders bei Wartung oder Instandhaltungen.

Die überarbeitete EU-GMP-Richtlinie Annex 1 „Manufacture of Sterile Medicinal Products Guideline“ verschärft die Anforderungen an die Produktion und Verpackung steriler Arzneimittel. Seit Ende August 2024 gilt die Sterilisationspflicht nicht mehr nur für direkt und indirekt produktberührende Teile, sondern auch für Komponenten, die als „First-Air-unterbrechend“ eingestuft werden. Dazu zählen Sensoren oder Reflektoren, die oberhalb der sterilen Komponenten angebracht sind.

Bisher genügte für diese Bauteile eine oberflächliche Dekontamination durch Desinfektionsmittel oder Wasserstoffperoxid-Dampf. Nun schreibt der Annex 1 validierte, durchdringende Sterilisationsverfahren wie das Autoklavieren vor. Für Technik, Dokumentation und Überwachung entsteht dadurch zusätzlicher Aufwand.

Bisher war für Sensoren und Reflektoren, die First-Air-unterbrechend angebracht waren, eine Dekontamination ausreichend. Annex 1 „Manufacture of Sterile Medicinal Products Guideline“ verlangt, dass auch diese Komponenten mit validierten, durchdringenden (penetrativen) Sterilisationsverfahren (beispielsweise Autoklavieren) behandelt werden.

Kontaminationskontrolle im Fokus

Die verbindliche Fassung fordert erstmals eine umfassende Kontaminationskontrollstrategie, die alle Bereiche der Produktion vom Rohstoff bis zur Verpackung einschließt. Sämtliche Kontaminationsrisiken sind ganzheitlich und risikobasiert zu betrachten. Für jedes Bauteil müssen Unternehmen einschätzen, wie groß die Kontaminationsgefahr auch ohne direkten Produktkontakt ausfällt. Je nach Bewertung ist entweder eine validierte Sterilisation durchzuführen oder eine nachvollziehbare Begründung zu dokumentieren, warum Reinigung oder Dekontamination ausreichen.

Neben klassischen Produktionsanlagen rücken damit auch Sensorik, Automatisierung und digitale Schnittstellen stärker in den Fokus. First-Air-unterbrechende Teile wie Sensoren und Reflektoren gelten als potenzielle Kontaminationsquellen. Die Anforderungen an Auswahl, Integration und Validierung dieser Komponenten steigen entsprechend.

Auswirkungen auf die eingesetzten Sensoren

Die Position und Bauart von Sensoren und Reflektoren bestimmt maßgeblich, ob die Vorgaben des Annex 1 einzuhalten sind. Oberhalb des Produkts montierte Bauteile gelten als First-Air-unterbrechend und müssen durch Sterilisation in Place oder Autoklavieren behandelt werden. In der Praxis kamen bislang häufig Ultraschallsensoren zur Füllstandsmessung sowie Reflexionslichtschranken mit Reflektor über dem Produkt zum Einsatz, weil sie die nötigen Reichweiten boten. Diese Lösungen halten den hohen Temperaturen der Sterilisation jedoch oft nicht stand und müssten für das Autoklavieren ausgebaut werden.

Optische Taster auf Time-of-Flight-Basis wie der ODT53CL1-2M von Leuze bieten hier eine Alternative. Dank großer Reichweiten und eines stabilen Detektionsverhaltens verschiedener Objektoberflächen unter Winkeln lassen sich die Taster seitlich oder unterhalb des Produkts und in großem Abstand montieren. Damit besteht kein direkter, indirekter oder First-Air-unterbrechender Kontakt zum sterilen Produkt, sodass eine Sterilisation der Sensoren entfällt.

Annex-1-konforme Lösung: Seitlich oder unterhalb des Produkts montierte ToF-Sensoren detektieren dieses zuverlässig, ohne den First-Air-Bereich zu unterbrechen – eine Sterilisation der Sensoren ist dann nicht erforderlich.

Kompakte Bauform und IO-Link

Die kompakte Bauform der Sensorserien 53C und 55C im Edelstahlgehäuse kommt den beengten Platzverhältnissen in pharmazeutischen Anlagen entgegen. Eine Messwertauswertung per IO-Link stellt zusätzliche Prozessdaten bereit und erleichtert Kontrolle sowie Nachweise im Sinne des Annex 1.

Durch die neuen Anforderungen wird eine durchdachte Auswahl und Integration der Sensorik unverzichtbar. Hygienegerechte, flexibel montierbare Edelstahl-Sensoren unterstützen Anlagenbetreiber dabei, die Vorgaben sicher und effizient umzusetzen und die Prozesssicherheit in der sterilen Pharmaproduktion zu erhöhen.

 

 

Text und Produktbilder: Leuze
Hauptbild: stock.adobe.com – Protosom

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