Nach drei Jahren mit rückläufigen Umsätzen blickt die europäische Machine-Vision-Industrie wieder vorsichtig optimistisch nach vorn. Der VDMA rechnet für 2026 mit einem Umsatzplus von 3 Prozent. Auf dem VISION VDMA CEO Round Table in Stuttgart wurde deutlich: Die Branche steht unter Druck, sieht aber klare Wachstumstreiber.
Auf dem Vision VDMA CEO Round Table Ende April in Stuttgart wurde deutlich: Die Branche bleibt zwar von Unsicherheiten geprägt, blickt aber wieder vorsichtig zuversichtlich nach vorn. Als wichtigste Treiber nennt der VDMA die weltweite Automatisierung, die durch künstliche Intelligenz zusätzlichen Schub erhält, sowie eine seit 2025 wieder anziehende Nachfrage nach Komponenten. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld angespannt. Geopolitische Krisen, mögliche Lieferkettenstörungen und der intensive internationale Wettbewerb belasten die Hersteller weiterhin. Dennoch überwiegt in der aktuellen Einschätzung nicht die Schwäche, sondern die Erwartung einer leichten Erholung.
Der VDMA bewertet 2026 als mögliches Wendepunktjahr für die europäische Machine-Vision-Industrie. Noch ist der Aufschwung fragil, doch die Richtung stimmt wieder.
Die europäische Machine-Vision-Industrie geht mit verhaltenem Optimismus ins Jahr 2026. Nach einer längeren Phase negativer Umsatzentwicklung erwartet der VDMA für das laufende Jahr eine Rückkehr auf den Wachstumspfad. Die Prognose: ein Plus von 3 Prozent. Rückenwind kommt vor allem aus der weltweiten Automatisierung, die durch den Einsatz von KI zusätzlich an Dynamik gewinnt. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Geopolitische Unsicherheiten, mögliche Lieferkettenstörungen und der starke internationale Wettbewerb setzen die Branche weiter unter Druck. Dennoch überwiegt in der aktuellen Markteinschätzung nicht der Pessimismus, sondern die Erwartung einer allmählichen Stabilisierung.
Markt zwischen Schwäche und Aufbruch
Die aktuellen Zahlen zeigen, wie stark die Branche in den vergangenen Jahren gefordert war. Nach einer langen Wachstumsphase folgte ab 2022 eine Phase rückläufiger Umsätze. Für 2025 weist die VDMA-Markterhebung im europäischen Machine-Vision-Markt erneut ein Minus aus. Damit setzt sich ein Trend fort, der die Hersteller, Systemanbieter und Komponentenlieferanten gleichermaßen betrifft. Gleichzeitig bleibt die langfristige Perspektive intakt. Machine Vision wird in vielen industriellen Anwendungen längst nicht mehr als Nischentechnologie wahrgenommen, sondern als Voraussetzung für präzise, effiziente und skalierbare Automatisierung. Vor allem in der Fertigung, der Qualitätskontrolle und der Prozessüberwachung spielt sie eine Schlüsselrolle.
„Machine Vision ist und bleibt eine zentrale Enabler-Technologie für die Industrie“, lässt sich die Stimmung des Round Table zusammenfassen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen technologischem Fortschritt und industrieller Wertschöpfung positioniert sich der Markt auch künftig.
Europa bleibt Kernmarkt
Ein wichtiger Befund der VDMA-Erhebung: Machine Vision ist in Europa nicht nur technologisch verankert, sondern auch wirtschaftlich eng mit der europäischen Industrie verbunden. 64 Prozent des Umsatzes entfallen auf die verarbeitende Industrie. 59 Prozent der Verkäufe verbleiben innerhalb Europas. Das zeigt zweierlei. Erstens: Die Technologie ist tief in den industriellen Kernanwendungen der Region verankert. Zweitens: Europa bleibt trotz globalem Wettbewerb ein zentraler Markt für europäische Anbieter. Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheit gewinnt diese Binnenstärke an Bedeutung. Für viele Unternehmen ist das ein entscheidender Faktor. Während internationale Märkte wachsen, bleibt die Nähe zu den europäischen Maschinenbau-, Automatisierungs- und Fertigungskunden ein stabilisierender Anker.

Florian Niethammer (li.) und Daniel Haas (re.) -beide Landesmesse Stuttgart – eröffneten das Vision VDMA CEO Round Table
Technologische Treiber rücken nach vorn
Die Diskussion auf dem VISION VDMA CEO Round Table machte deutlich, dass die Branche nicht nur auf Konjunkturimpulse wartet, sondern aktiv auf technologische Entwicklungen setzt. Besonders im Fokus steht dabei die Verbindung von Bildverarbeitung und künstlicher Intelligenz.
KI beschleunigt nicht nur Anwendungen, sondern verändert auch die Erwartungshaltung an Machine-Vision-Systeme. Sie sollen immer mehr leisten: schneller lernen, robuster erkennen, flexibler auf Varianten reagieren und in komplexen Produktionsumgebungen zuverlässig arbeiten. Das erweitert die Einsatzfelder und erhöht gleichzeitig den Druck auf Anbieter, ihre Systeme weiterzuentwickeln.
Hinzu kommt, dass sich die Nachfrage nach Komponenten seit 2025 wieder erholt. Auch das ist ein wichtiges Signal, denn die Komponentenbasis bildet die Grundlage für weitere Marktimpulse. Für die Branche bedeutet das: Die Talsohle könnte durchschritten sein, auch wenn der Aufschwung zunächst moderat ausfallen dürfte.

Beste Stimmung und Daumen hoch: die Teilnehmer der Veranstaltung VISION CEO Round Table nehmen viel Inspiration und beste Laune mit
Stimmen aus der Branche
Beim CEO Round Table diskutierten Vertreter von MVTec, Basler und Teledyne Vision Solutions über Marktentwicklung, technologische Trends und die künftige Rolle der Machine Vision im industriellen Umfeld. Die Runde machte deutlich, dass die Branche einerseits mit Unsicherheiten lebt, andererseits aber über starke strategische Argumente verfügt.
„Es gibt viel zu diskutieren“ — schon dieser Tenor passt zur Lage der Branche: Einerseits sind die Rahmenbedingungen nicht einfach, andererseits eröffnet gerade der technologische Wandel neue Chancen. Für Anbieter bedeutet das, ihre Positionierung stärker denn je an den realen Anforderungen der Kunden auszurichten. Dabei wird deutlich, dass Machine Vision immer weniger isoliert betrachtet werden kann. Sie ist eng mit Robotik, Automation, Digitalisierung und KI verknüpft. Wer in diesem Markt erfolgreich sein will, muss deshalb nicht nur Bildverarbeitung liefern, sondern komplette Anwendungslogiken mitdenken.

Die Veranstaltung gab dem Fachpublikum und der internationlen Presse einen umfassenden Einblick in die Erwartungen und Entwicklungen der Bildverarbeitungsbranche
Ausblick auf 2026
Für das Jahr 2026 zeichnet der VDMA ein vorsichtig positives Bild. Das erwartete Umsatzplus von 3 Prozent ist noch kein kräftiger Aufschwung, aber es markiert eine mögliche Wende nach mehreren schwierigen Jahren. Entscheidend wird sein, ob die Nachfrage in Europa stabil bleibt und ob die globalen Wachstumstreiber tatsächlich in breiterem Umfang greifen. Die Branche steht damit an einem interessanten Punkt: zwischen Unsicherheit und Erholung, zwischen Kostendruck und Innovationsschub, zwischen kurzfristigen Belastungen und langfristigem Potenzial. Gerade das macht Machine Vision zu einem spannenden Indikator für die industrielle Entwicklung insgesamt.
Fazit: 2026 könnte für die europäische Machine-Vision-Industrie das Jahr werden, in dem sich die Stimmung dreht. Noch ist Vorsicht angesagt, aber die Signale für eine Rückkehr auf Wachstumskurs sind unübersehbar.
VISION-Jahr
Die Weltleitmesse für Bildverarbeitung findet vom 6. bis 8. Oktober 2026 in Stuttgart statt. In einem zweijährigen Turnus wird auf der VISION das komplette Spektrum der Bildverarbeitungstechnologie abgebildet. Besonders zeichnet sich die Fachmesse durch erstklassige Aussteller, eine hohe Internationalität und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus. Weitere Informationen zur VISION in Stuttgart finden Sie unter:
Als Teil des VDMA Fachverbandes Robotik + Automation hat VDMA Machine Vision mehr als 120 Mitglieder: Anbieter von Bildverarbeitungssystemen und -komponenten sowie Integratoren. Weitere Informationen finden Sie unter:
Text: Nicole Steinicke
Bilder: Landesmesse Stuttgart






